StudienlageWas die Forschung zur Periodisierung sagt
Mehrere Metaanalysen vergleichen periodisiertes mit nicht periodisiertem Krafttraining. Rhea und Alderman (2004) berichten einen Gesamteffekt von ES 0,84 zugunsten periodisierter Programme; den Effekt, der speziell auf die Variation im Training zurückgeht, beziffern sie mit ES 0,25. Williams et al. (2017) fanden bei der Maximalkraft (1RM, die Last für genau eine Wiederholung) ES 0,43 zugunsten periodisierten Trainings, mit einem 95-%-Konfidenzintervall (KI) von 0,27 bis 0,58.
Das KI zeigt, wie genau ein Wert geschätzt ist; liegt es ganz über 0, gilt der Vorteil als statistisch gesichert. Bei Williams et al. schnitten undulierende Programme günstiger ab, bei Untrainierten war der Effekt größer. Moesgaard et al. (2022) fanden in 35 Studien mit gleichem Trainingsvolumen für die Maximalkraft ES 0,31 (KI 0,04–0,57): ein kleiner Vorteil, dessen KI fast bis 0 reicht. Beim Muskelaufbau gab es keinen Unterschied (ES 0,13).
Afonso et al. (2019) mahnen zur Vorsicht: Keine der 21 Studien in zwei Metaanalysen verglich Periodisierung mit Training, das abwechslungsreich, aber nicht periodisiert war. Im Ausdauertraining fanden Mølmen et al. (2019) für die Blockperiodisierung etwas bessere Werte bei VO₂max (maximale Sauerstoffaufnahme) und Wmax (maximale Leistung), allerdings in kleinen Studien niedriger Qualität (PEDro-Skala im Mittel 3,7 von 10).
| Arbeit | Vergleich | Ergebnis |
|---|
| Rhea & Alderman 2004 | periodisiert gegen nicht periodisiert, Kraft und Schnellkraft | Gesamteffekt ES 0,84; Effekt der Variation ES 0,25 |
| Williams et al. 2017 | periodisiert gegen nicht periodisiert, 18 Studien | Maximalkraft (1RM): ES 0,43, 95-%-KI 0,27–0,58 |
| Moesgaard et al. 2022 | periodisiert gegen nicht periodisiert, 35 Studien mit gleichem Volumen | Maximalkraft: ES 0,31, KI 0,04–0,57; Muskelaufbau: kein Unterschied (ES 0,13) |
| Afonso et al. 2019 | Übersicht über Metaanalysen | kein Vergleich mit abwechslungsreichem, nicht periodisiertem Training |
| Mølmen et al. 2019 | Block gegen traditionell, Ausdauer | VO₂max: SMD 0,40, 95-%-KI 0,02–0,79; Wmax: 0,28, KI 0,01–0,54; kleine Studien, niedrige Qualität |
ES und SMD: standardisierte Effektstärken, 0 bedeutet kein Unterschied. KI: Konfidenzintervall.
Grundsätzliche Kritik übt Kiely (2012): Periodisierungsmodelle teilten ein tief verwurzeltes kulturelles Erbe, verbunden mit Annahmen, die wissenschaftlich nicht mehr zu rechtfertigen seien. Er plädiert für Trainingssysteme, die sensibel auf den Athleten reagieren, ausdrücklich ohne die Periodisierung ganz zu verwerfen. Kiely (2018) ergänzt, dass sie auf der Stressforschung von Selye beruht; da sich diese weiterentwickelt hat, sei eine Neubewertung nötig.
Eine Gegenposition vertreten Cunanan et al. (2018), die schon im Titel das Allgemeine Adaptationssyndrom als Grundlage der Periodisierung nennen, und Stone et al. (2021) mit einer Übersicht zu Periodisierung und Blockperiodisierung, die laut Titel das Kraft- und Schnellkrafttraining in den Mittelpunkt stellt.
Unterm Strich: Periodisiertes Krafttraining bringt im Mittel etwas mehr Maximalkraft als nicht periodisiertes, auch bei gleichem Volumen (Moesgaard et al., 2022). Welches Modell am besten ist, lässt sich aus den Studien nicht eindeutig ablesen. Klar ist: Geplante Abwechslung und das Anpassen an die Reaktion des Athleten zählen (Harries et al., 2015; Kiely, 2012).